Museum Eckernförde 
Museum Eckernförde : Sonderausstellungen : Landschaft voll Licht und Farbe. Die Künstlerkolonie Nidden
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Nidden

Landschaft voll Licht und Farbe. Die Künstlerkolonie Nidden

 Wie an vielen Orten Europas gründete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im ostpreußischen Fischerdorf Nidden (Nida) auf der Kurischen Nehrung eine Künstlerkolonie. Bildende Künstler, Dichter und Schriftsteller, namhafte Impressionisten und Expressionisten, trafen hier aufeinander und verfielen dem "Italien des Nordens" zwischen der rauen Ostsee und dem ruhigen Kurischen Haff. Die gewaltige Kraft der Natur, die riesige Wanderdünen bildete und Orte ganz im Sand versinken ließ; das vom Meer abhängige, traditionelle Leben der Fischer mit ihren markanten Booten; die geheimnisvollen Elche – all das waren Motive, die die Künstler auf ihre Bilder bannten.

Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert kamen vereinzelt Künstler in den Sommermonaten auf die Kurische Nehrung, meist von Königsberg mit seiner Kunstakademie aus. Ernst Bischoff-Culm war einer der ersten Künstler, die vor 1900 impressionistische Bilder von den Menschen Niddens malten und in Ausstellungen zeigten. Der Expressionist Max Pechstein ist vermutlich durch ihn auf Nidden aufmerksam geworden und kam ab 1908 einige Sommer auf die Kurische Nehrung. Seine leuchtenden Gemälde und expressiven Grafiken verhalfen Nidden zu großer Aufmerksamkeit und zogen weitere Künstler an.

HempfingDie meisten Künstler logierten im Gasthaus von Hermann Blode, das sich zum geselligen Zentrum entwickelte. Zur Stammtischrunde gesellte sich u. a. der Tiermaler Hans Kallmeyer, der sich in seinen Werken besonders auf die Darstellung der Dünenlandschaft und Elche konzentrierte. Zahlreiche weitere Künstler fanden sich ein.

Nach einer Zäsur durch den Ersten Weltkrieg wurde Blodes Gasthaus erneut Mittelpunkt des Künstlerlebens. Hier konnte Max Pechstein auf den Expressionisten Ernst Mollenhauer treffen, der die Tochter der Wirtsleute heiratete und Ende der 1920er Jahre den Gasthof übernahm. Mollenhauer wurde zum Organisator der kulturellen Arbeit in Nidden und verschrieb sich ganz der expressiven Schilderung der Landschaft.

Größte Aufmerksamkeit erfuhr der entlegene Ort, als Thomas Mann 1929 die Schönheit der Kurischen Nehrung entdeckte und sich ein Sommerhaus in Nidden errichten ließ, in dem er ab 1930 drei Sommer lang lebte. Nidden, das mit dem Versailler Vertrag 1919 dem Memelland zugeschlagen worden war, gehörte von 1923 bis 1939 zum unabhängigen Litauen. Besonders in den 1930er Jahren wurde Nidden zu einem Refugium, in dem Künstler unbehelligt von den sich wandelnden politischen Verhältnissen arbeiten konnten. Manche Künstler wohnten nun ganzjährig hier, Richard Birnstengel und Carl Knauf bauten gar eigene Häuser. Knauf wurde mit seinen Gemälden der Landschaft und Kurenkähne Niddens zu einem der bedeutendsten Vertreter der Künstlerkolonie.

Ab 1939 gehörte Nidden wieder zum Deutschen Reich. Mit dem Näherrücken russischer Truppen im Zweiten Weltkrieg flohen Bevölkerung und Künstler. Anfang 1945 wurde der Ort von Soldaten der Roten Armee verwüstet, die Kurenkähne versenkt, der Gasthof Blode vernichtet und große Teile der Kunstsammlung, die Mollenhauer zusammengetragen hatte, verfeuert. Einige Künstler blieben jedoch auch nach dem Zweiten Weltkrieg Nidden verbunden und malten aus der Vorstellung. Ernst Mollenhauer und der mit ihm befreundete Expressionist Karl Eulenstein, der bis 1944 regelmäßig auf die Kurische Nehrung kam, gelangten auf diese Weise zu einer Intensivierung ihrer Ausdrucksweise.

Wir verdanken die Ausstellung dem generösen Sammler Dr. Bernd Schimpke und dem Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg.

Bild: Wilhelm Hempfing, Nidden - Der Italienblick, um 1940

info

Laufzeit

29. April bis 5. August 2018 . Eröffnung: 29. April 2018, 11.30 Uhr


Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag
10 bis 12.30 Uhr
und 14.30 bis 17 Uhr

Sonnabend und Sonntag
11 bis 17 Uhr
Feiertage 14.30 bis 17 Uhr


Publikationen

Begleitheft zur Ausstellung, 2 Euro

Begleitende Veranstaltungen

Filmabend
Zwischen Wanderdünen. Nidden.
Künstlerkolonie auf der Kurischen Nehrung
Ein Dokumentarfilm von Arvydas Barysas
Einführung: Dr. Jörn Barfod
Dienstag, 29. Mai 2018, 19 Uhr

Vortrag
Paradies Nidden - der Künstlerort auf der Kurischen Nehrung
Dr. Jörn Barfod
Donnerstag, 7. Juni 2018, 19 Uhr

Gespräch
mit dem Sammler Dr. Bernd Schimpke
Donnerstag, 2. August 2018, 19 Uhr

Führungen durch die Ausstellung
Sonntag, 13. Mai, 27. Mai, 10. Juni, 24. Juni, 8. Juli, 22. Juli 2018, jeweils um 11.30 Uhr

Mittwoch, 2. Mai, 9. Mai, 23. Mai, 13. Juni, 27. Juni, 11. Juli, jeweils um 15 Uhr

Gruppenführungen nach Vereinbarung


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